Das neue WIR im Business oder wie wir ko-intelligent einfach mehr erreichen

Heute habe ich mir wieder Verstärkung geholt und zwar von Ulrike Stahl, Expertin für Zusammenarbeit und das neue WIR im Business. Ihr wisst ja mittlerweile, wie gerne ich vom starken WIR spreche und deshalb lasse ich jetzt mal eine waschechte Expertin zu diesem Thema zu Wort kommen!

-GASTBEITRAG-

Ich kenne Tina nicht wirklich. Wir haben uns noch nie gesehen und auch nicht miteinander gesprochen. Und doch bin ich Ihrer Einladung gerne gefolgt, einen exklusiven Beitrag für Ihren Blog zu schreiben. Warum? Weil es uns beide weiterbringt. Tina kann ihren Leserinnen interessanten Inhalt bieten und ich kann mein Thema sichtbar machen. Mit wildfremden Menschen zusammenzuwirken und etwas zu gestalten ist eine Fähigkeit, die Menschen einzigartig macht. Schimpansen sind unsere nächsten Verwandten im Tierreich. Ihre genetischen Anlagen unterscheiden sich lediglich zu 1,3 Prozent von den menschlichen. Sie haben kooperative Anlagen, aber treffen fremde Schimpansen aufeinander, fliegen meist die Fetzen.

Wir Menschen können uns mühelos auf ein Miteinander mit Fremden einstellen, wenn wir eine gemeinsame Absicht haben. Dafür verantwortlich sind wohl unsere Spiegelneuronen, dank derer wir uns in das Verhalten anderer hineindenken und dadurch vorausschauend in Abstimmung mit anderen handeln können. Das heißt, wir können gemeinsame Lösungen finden, ohne die Situation vorher zu trainieren. Wir können mit Menschen, die wir nie zuvor getroffen haben, ein Business-Meeting halten und zu einem Ergebnis kommen.

Wir können kommunizieren und das nicht nur mit Körpersprache, sondern mit einer Vielfalt von Wörtern, die uns erlauben, unsere Gedanken detailliert auszutauschen. Wir sind also nicht darauf angewiesen, uns blind zu verstehen, sondern können uns über verschiedene Perspektiven verständigen. Und auch darin liegt eine besondere Fähigkeit des Menschen, überhaupt andere Perspektiven einnehmen zu können. Kurz, wir sind super-kooperative oder wie ich es gerne nenne, ko-intelligente Wesen.

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Zusammenarbeit verändert sich

Die bisherigen Arbeitsstrukturen haben uns darauf beschränkt, diese Fähigkeit höchstens in unseren Teams zu nutzen. Aber genau das ändert sich gerade. Es gibt mehr Solo-Selbständige denn je, die frei bestimmen können, wie und mit wem sie zusammenarbeiten. In Unternehmen brechen Hierarchien und Strukturen auf, immer mehr Aufgaben werden in interdisziplinären Projektteams bewältigt, neue Methoden wie Design Thinking setzen darauf, auch Branchenfremde in Innovationsprozesse zu integrieren. Hinzu kommen die technischen Möglichkeiten, die uns erlauben, uns vom eigenen Schreibtisch aus mit Menschen in den entlegensten Winkeln der Welt zu verbinden. Das heißt, wir haben heute viel mehr Raum und Möglichkeiten, unsere Ko-Intelligenz zu nutzen und dadurch Dinge zu erreichen, die in den bisherigen Strukturen nicht möglich waren.

Im vergangenen Jahr konnte ich mit fünf Kolleginnen ein internationales Event in Prag auf die Beine stellen, das wir selbst geplant und organisiert haben. Das Besondere ist, dass wir in fünf unterschiedlichen Ländern leben, aber dank WhatsApp, Facebook und Zoom intensiv zusammenarbeiten konnten, um das Event letztendlich zu realisieren. Die Frage ist, nutzen wir unsere Ko-Intelligenz schon so clever, wie wir könnten? Ich bin fest davon überzeugt, da geht noch mehr! Was hindert uns?

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Alte Strukturen der Zusammenarbeit loslassen

Ein wichtiger Aspekt von sozialem Miteinander ist natürlich Vertrauen und Sicherheit. An erster Stelle gibt uns Gewohnheit Sicherheit. Die meisten Menschen sind es gewohnt, für lange Zeit im gleichen Team zu arbeiten. Genauso sind wir es gewohnt, die Menschen mit denen wir zusammenarbeiten, persönlich zu kennen und nach Belieben face to face mit Ihnen sprechen zu können. Und last but not least, sind wir gewohnt
überwiegend mit Menschen aus dem eigenen „Kulturkreis“ zusammenzuarbeiten. Das tun wir auch deshalb ganz gerne, weil es uns die Sicherheit gibt, andere gut einschätzen zu können. Das beginnt schon beim ähnlichen Hintergrund und ähnlichen Verhaltensweisen. In meiner Ausbildung zum Design-Thinking Coach mussten wir unterschiedlichste Menschen am Bahnhof ansprechen und zu einem Thema interviewen. Wir sprachen Menschen verschiedener Altersgruppen an. Aber was mir
irgendwann auffiel ist, dass alle Angesprochenen, egal ob Teenager oder
Senioren, der gleichen Gesellschaftsschicht angehörten.


Wir stehen vor so vielen Herausforderungen. Als Individuum, als Unternehmen, als Gesellschaft und als Welt. Wir können diese nicht mehr in unserem gewohnten Rahmen bewältigen. Jetzt ist die Zeit, mehr zu wagen und die neuen Möglichkeiten mit offenem Herzen und neugierigem Geist anzunehmen. Und ich spreche hier nicht einfach von mehr Networking. Es geht um die Absicht, etwas daraus zu machen, das größer ist, als wir es alleine schaffen können. Was kann uns dabei unterstützen?

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Lasst uns das WIR einfach größer denken.

Hierarchische Strukturen, ergebnisorientierte Karrierepfade, konkurrierende Zielvereinbarungen und der Kampf um Budgets oder Leistungszulagen laden zwar dazu ein, sich abzugrenzen und sich auf sich selbst zu konzentrieren. Aber tatsächlich – ob wir es wollen oder nicht – sind wir stets Teil eines größeren Systems: die Familie, die Nachbarschaft, der Verein, unser Projektteam, das Unternehmen, das Öko-System, die Wirtschaft. Manche können wir uns aussuchen, zu manchen Systemen gehören wir einfach dazu. Je größer das System ist, desto mehr verlieren wir diese Zusammenhänge aus dem Blick und umso weniger haben wir das Gefühl, Einfluss nehmen zu können oder Wechselwirkungen zu verursachen. Tatsächlich sind wir aber ein Teil davon. Der Stuhl, auf dem wir sitzen zum Beispiel. Wie viele Menschen waren beteiligt, dass er jetzt hier unter mir stehen kann? Wozu trage ich bei? Sich das immer wieder bewusst zu machen, wirkt auf einer tieferen emotionalen Ebene, die uns die Sicherheit gibt, uns vertrauensvoll zu öffnen.

Sich das Netz bewusst zu machen, das uns verbindet, ist ein echter Kollaborations-Hack, der nicht nur ein besseres Gefühl verleiht, sondern nachgewiesen sogar bessere Verhandlungsergebnisse bringt. 26 weitere Kollaborations-Hacks gibt es in meinen WIRtschaftswelten.

Übrigens, Tina und ich, wir sind beide bei Linkedin. Das verbindet. Aber viel wichtiger: Sie hat diese Verbindung auch genutzt, um etwas ko-intelligentes entstehen zu lassen. So geht WIRtschaft :), so lebt das neue WIR.

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*Ulrike Stahl ist Expertin für Zusammenarbeit und das neue WIR im
Business. Als internationaler Keynote Speaker begeistert sie für
konkurrenzlos erfolgreiche Zusammenarbeit in einer agilen und globalen
Arbeitswelt. Sie ist Autorin des Buches „So geht WIRTSCHAFT!
Kooperativ. Kollaborativ. Kokreativ.“, das gerade vom Handelsblatt zu einem der besten Wirtschaftsbücher von Frauen gekürt wurde. Unternehmen buchen sie auch als Design Thinking Coach und Coach für Top Teams.


20 Comments

  • Jessy sagt:

    Ich bin da ganz bei dir! Ich denke auch, dass ein WIR bereichern kann. Denn durch das WIR kommen andere Perspektiven in das eigene Denken. Ein toller und inspirierender Beitrag.

    Liebe Grüße Jessy von Kleidermaedchen

  • Bea sagt:

    Toller Beitrag. Ja, das WIR zählt wirklich! Das wird Zeit, dass das mehr erkannt wird und mehr Beachtung bekommt. Schließlich versuchen es immer noch viele als Einzelkämpfer! Wieviel weiter man als Team kommt, ist nicht jedem bewusst, viele wollen es immer noch nicht wahrhaben und halten an alten Mustern fest. Ich war schon immer Teamplayer und freue mich, in einem großen Team zu arbeiten.

    Lieben Gruß, Bea.

  • Super, das hört sich toll an! Kann da nur aus meiner Erfahrung sprechen, denn auch bin ich als Selbstständige schon einige Zeit keine Einzelkämpferin mehr. Wenn man einen tollen Partner an der Seite hat bzw. ein gutes Netzwerk, ist das echt toll!!

    Liebe Grüße,
    Verena von whoismocca.com und thepawsometyroleans.com

  • angelique sagt:

    Liebe Tina,
    gratuliere zu deiner Auswahl für die sehr kompetente Gastautorin. Diese positive Zusammenarbeit ist so wichtig und wertvoll. Nachdem ich in einem sehr traditionellen Segment tätig bin habe ich durch den Blog eine ganz andere Art vom gemeinsamen Arbeiten kennenlernen dürfen.
    lg angelique

  • Tolle Idee! Das bräuchte es wirklich öfter!

    Und: Ja, Dein Beitrag hat mich auch zum Nachdenken angeregt – zu leicht vergisst man, dass man Teil eines [oder mehrerer] Systeme ist …
    Ich werde da jetzt wieder achtsamer sein!

    Weiterhin viel Erfolg und liebe Grüße,

    Doris

  • toller beitrag, vielen Dank hierfür. ich bin nicht selbstständig aber ich höre es immer wieder dass man heutzutage meistens eine 1-woman show ist. die konkurrenz ist nun mal groß und man möchte es sich nicht leisten seinen kontakt zu teilen. aber im grunde genommen erreicht man durch zusammenarbeit mehr :)
    glg karolina von https://kardiaserena.at

  • Ein guter Beitrag und stehe ganz hinter dir. Das miteinander und arbeiten ist heute anders. Komme ja aus einer anderen Generation. Ich finde es toll wenn sich Blogger unterstützen und überhaupt Menschen zusammen tun, etwas auf die Beine stellen. Doch meine Erfahrung wurde einmal sehr negativ beeinflusst. Eine Bloggerin mit der ich unsere Blogs aufgebaut habe, schadete mir sehr. Viel Zeit und Geld hat mich das gekostet. Aber trotz dieser sehr svhlechten Erfahrung denke ich dass man heute mit aller Technik großes auf die Beine stellen kann. Gemeinsam!
    Liebe Grüße Caro

  • Das ist ein wunderbarer Artikel! Ich finde auch, dass wir zusammen viel mehr erreichen können als alleine und bin da ein absoluter Teamplayer!
    Viele Grüße
    Wioleta von http://www.busymama.de

  • Ein sehr interessanter Beitrag. :-) Das WIR Business ist ein tolles Konzept Liebe Grüße, Claudia

  • Mo sagt:

    Liebe Ulrike,

    ich bin wirklich froh, dass du einen Gastbeitrag bei der tollen Tina veröffentlicht hast. Deinen Artikel fand ich nämlich sehr interessant und informativ. Über manche Punkte habe ich so noch gar nicht nachgedacht. Vielen Dank dafür. Ich werde mal schauen, wie ich das auf mich und meine Geschäftsbeziehungen adaptieren kann.

    Liebe Grüße,
    Mo

  • Ein toller Artikel, der mir aus der Seele spricht.
    Miteinander alte Strukturen aufbrechen und gemeinsam zu neuen Ufern starten.
    Ich denke im WIR kommen wir alle deutlich weiter als solo.
    Ein Punkt, warum ich Homeoffice teilweise negativ empfinde.

    Liebe Grüße, Katja

  • Was für ein schöner und wichtiger Beitrag! Ich versuche auch immer wieder Gastartikel auf meinen Blogs “Gesundheitsgeflüster” und “Schönheitsgeflüster” zu veröffentlichen. Ich hoffe sehr, dass es 2019 viel mehr werden.
    Alles Liebe
    Annette

  • Wow, was für ein genialer und wertvoller Gastartikel, der mir komplett als Unternehmer und Unternehmenscoach aus dem Herzen spricht! Gerade, dass WIR ist so wertvoll als Unternehmer, niemand nimmt jemanden Kunden oder Aufträge weg! Es ist für alle genügend da. Mit einem Wir Gefühl, gegenseitigem Austausch, Vernetzung und sich kennenlernen und empfehlen ist so vieles möglich. Menschen brauchen Menschen – Menschen profitieren von Menschen – Menschen wachsen mit Menschen!

  • Avaganza sagt:

    Liebe Tina,

    ich bin bin sowieso ein Verfechter des “Wir” und des großen Ganzen. Ich arbeite schon seit vielen Jahren so und begleite Firmen bei Prozessen die Arbeitswelt offener zu gestalten und Mitarbeiter darin zu unterstützen. Darin liegt die Zukunft und deshalb habe ich auch diesen Gastbeitrag sehr gerne gelesen!

    lg
    Verena

    P.S. Ich suche dich jetzt gleich mal bei linkedin

  • Bettina sagt:

    Wir Menschen können uns mühelos auf ein Miteinander mit Fremden einstellen, wenn wir eine gemeinsame Absicht haben. Das ist schön gesagt, schon toll wozu wir fähig sind, wenn wir nur wollen… Liebe Tina, ich habe diesen Beitrag gerne gelesen und denke zukünftig noch oft an das WIRtschaften .. Liebe Grüße Bettina

  • Sarah sagt:

    Ein interessanter Artikel. Ich glaub ja auch dran, dass das so funktionieren kann. Viele Dinge sind echt schlüssig und einleuchtend, die du schreibst. Und so ein „ja genau!“ kam mir bei dem Absatz, als du über Sicherheit geschrieben hast :)

    Liebe Grüße,
    Sarah von http://www.vintage-diary.com

  • Sabrina sagt:

    Was für ein interessanter Artikel. So genau habe ich da noch garnicht drüber nachgedacht.
    Schön das ihr euch gefunden habt und auch was tolles draus geworden ist :)
    Beste Grüße Sabrina

  • Linni sagt:

    Hallo Tina,
    ich lese unwahrscheinlich gerne Gastbeiträge! Finde auch diesen hier sehr interssant und finde auch, dass das “Wir” immer mehr Platz finden sollte. Auch wir Blogger sollten uns alle als Kollegen ansehen :) Aber ich denke, dass die meisten dies tun :)

    Schönen Start ins Wochenende!

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

  • Claudia sagt:

    Gefällt mir sehr dein Artikel über das neue WIR. Ja, ich denke auch wir müssen die alten Strukturen verlassen und lernen neu und größer zu denken. Dank Internet ist ja heute alles machbar ;-).
    Liebe Grüße
    Claudia von Gemüseliebelei

  • Sandra sagt:

    Ich finde es toll, dass es Coaches gibt, die einem hier immer wieder tolle Tipps geben bzw. andere Wege aufzeigen. Das WIR sollte eigentlich selbstverständlich sein. Auch wenn ich merke, dass es leider immer weniger so ist und oftmals eher ein gegeneinander, als ein miteinander stattfindet. Wird Zeit, dass sich das (wieder) ändert.
    Viele liebe Grüße
    Sandra

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