Warum ich heute ganz ander über den Begriff „Girlboss“ denke

Vor über zwei Jahren habe ich hier darüber geschrieben, was ich von dem Wort „girlboss“ halte und mein Urteil ist nicht gerade positiv ausgefallen. Mit dem Begriff konnte ich mich einfach nicht anfreunden, weil GIRL irgendwie nach kleinem Mädchen, nach naiv und von nichts eine Ahnung klingt. Dabei geht es um Geschäftsfrauen. Selbstständige Frauen, die sich trauen, ein eigenes Business aus dem Boden zu stampfen (egal, wie groß oder klein, ob Ein-Personen-Unternehmen oder Großfirma). Ich hatte das Gefühl „girlboss“ würde zu niedlich klingen. Zu niedlich, um schon etwas erreicht zu haben.

Andererseits, wenn ich über meine Freundinnen und Cousinen spreche, sage ich auch immer „Meine Mädels und ich“ oder so etwas in der Art. Auf jeden Fall „Mädel“. In dem Punkt finde ich nicht naiv und niedlich, sondern einfach lässig. Der Ausdruck mindert ja auch in keinster Weise den Respekt, den ich meinen Freundinnen und Cousinen gegenüber habe. Allesamt tolle Frauen, die schon so einiges erlebt und gelernt haben, die immer mehr lachen als weinen und Träume und Ziele haben.

Und genau das brachte mich zum Umdenken. Ausgerechnet ich hatte was gegen den Begriff girlboss?! Ich, die stets darauf bestand, immer ein bisschen Kind zu bleiben, egal ob oder wieviel ich erreicht habe. Ich, die immer prädigte, dass man nie verlernen sollte in die Wolken zu schauen und sein inneres Kind auch mal rauslassen soll.

Wenn ich vom inneren Kind rede, dann rede ich sehr wohl von einer gewissen Naivität. Allerdings nicht von der unerfahrenen, weltfremden Naivität, sondern von einer lebenserleichternden Naivität, die einen nicht zu viel nachdenken, sondern schneller und unbeschwerter Handeln lässt. Von einer Naivität, die das Gute erwartet, weil sie noch keine Erfahrung mit dem Schlechten gemacht hat.

Damals störte mich auch, dass die Arbeit durch den Begriff girlboss verniedlicht wird. Und warum sollte Arbeit niedlich klingen. Das sehe ich heute wirklich ganz anders. Arbeit darf ruhig auch etwas schönes und verspieltes haben, schließlich verbringen wir etwa 1/3 unseres Lebens mit Arbeiten. Das mir meine Arbeit auch Spaß macht hat für mich oberste Priorität. So erreicht man schließlich auch am meisten. Selbstständig sein ohne Leidenschaft funktioniert auf Dauer nämlich nicht so gut.

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         Woher kommt der Begriff Girlboss

  • Den Begriff machte Sophia Amoruso mit ihrem Bestseller #girlboss
    bekannt. Sie wurde von der kurzzeitigen Subway Angestellten und
    Verkäuferin zur Unternehmerin.  Sie wurde mit dem Internethandel
    von Vintage-Mode erfolgreich, gründete den bekannten
    Online-Store Nasty Gal und machte einen Jahresumsatz von
    100 Millionen Dollar
    . 2016 wurde sie vom Forbes Magazine
    zu einer der reichsten Selfmadefrauen Amerikas erklärt.
    Dann folgte auch der Bestseller.

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Diese Frau hat etwas erreicht ist aber dabei ihrer mädchenhaften Art und Leichtigkeit treu geblieben. Ihr seht also, dass ein girlboss zu absolut großem im Stande ist und alles erreichen kann!

Ein Girlboss sein, ja, das ist es was ich sein will. Das ist es was ich bin. Gleichzeitig tough und naiv. Gleichzeitig Geschäftsfrau, aber auch frei, nicht gebunden an meinen eigenen Perfektionismus oder mein straffes Zeitmanagement. Ich bezeichne mich ja auch gerne als Business Boho. Ein bisschen Hippie der in der Hängematte chillt, aber dabei trotzdem am Arbeiten ist.
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Wie steht ihr zu diesem Begriff? Könnt ihr euch damit identifizieren oder seid ihr eher pro #businesswoman oder #justboss?

 

12 Comments

  • Hey Tina, mich spricht der Begriff girlboss überhaupt nicht an und ich finde, er klingt sehr oberflächlich und eben nach Niedlichkeit, die nicht ganz Ernst zu nehmen ist. Für mich ist ein Girli einfach ein Mädchen, das noch nicht viel Erfahrung gesammelt hat.
    Ich begreife mich als Business-Woman, diese Bezeichnung denotiert für mich Souveränität und gleichzeitig fachliche Kompetenz.
    Zu deiner Definition von Naivität: ich würde hier eher das Wort Leichtigkeit oder Lässigkeit wählen. Naiv ist einfach pejorativ geprägt und die Unbeholfenheit schwingt darin immer mit.
    LG
    Tamara

  • Avaganza sagt:

    Liebe Tina,

    aus psychologischer Sicht macht das Wort “Girlboss” automatisch kleiner und verniedlicht. Ich finde das schrecklich wie wir Frauen unsere Erfolge durch die Sprache teilweise selbst schmälern. Ich kann mich damit gar nicht identifizieren. Womanpower gefällt mir da viel besser.

    Liebe Grüße
    Verena

  • Bea sagt:

    Hallo Tina,

    ich muss sagen, ich war auch immer skeptisch der Bezeichnung girlboss gegenüber. Aber das bin ich im Grunde schon. Ich bin eigentlich immer noch etwas Mädchen in mir, auch, wenn mich mittlerweile ganz andere Themen interessieren und beschäftigen und ich dabei versuche mein Business zu wuppen.

    Liebe Grüße
    Bea

  • Lena sagt:

    Hi liebe Tina
    Das ist immer interessant wenn man nach einiger Zeit Dinge anders sieht und eine andere Meinung dazu hat. Deshalb musste ich natürlich auch den ersten Post dazu lesen.
    Für mich ist ein girlboss ein toughes, unabhängiges Mädel, das weiss was es will, manchmal aber vielleicht doch noch ein bisschen naiv ist.
    Hab einen wunderschönen Abend,
    Lena

  • eine super spannende Perspektive meine Liebe! ich mag deinen ganz persönlichen Begriff “Business Boho” auch viel lieber – Girlboss ist bei mir irgendwie doch negativ konnotiert …
    ich sollte mir auch mal einen anderen Begriff einfallen lassen! danke für die Anregung :)

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  • Julia sagt:

    Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich noch nie wirklich damit auseinandergesetzt habe. Ich finde es jetzt aber nicht so einen schlimmen Begriff nur weil Girl drinnen vorkommt. Interessiert man sich für etwas besonders, ist der Begriff ja sowieso irgendwie Nebensache, oder? Bzw. glaube ich, dass man auf Grund des Begriffes eher dazu verleitet ist nachzusehen was es damit aufsich hat.

    Alles Liebe,
    Julia

  • Ganz unter uns, aber darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Für mich war stets wichtiger etwas zu tun, als eine genaue Definition oder einen Begriff für das Tun zu finden. Deswegen spielt es für mich auch keine Rolle, ob #girlboss, #businesswoman oder #jusboss – Hauptsache man kann sein eigenes Ding machen…
    Viele Grüße
    Salvia von Liebstöckelschuh

  • Die Eigenschaften die ein Girlboss mit sich bringt, mag ich auch und kann mich teilweise auch damit identifizieren. Dennoch kann ich mit dem Begriff selbst nichts anfangen. Liegt aber vielleicht auch daran, dass er schon wieder “ausgelutscht” ist und man ihn zu oft vorfindet. Ich denke, da gibt es bessere Bezeichnungen! ;:)

    Liebe Grüße,
    Verena von whoismocca.com und thepawsometyroleans.com

  • Sandra sagt:

    Deine Interpretation von girlboss gefällt mir gut. Noch besser aber Business Boho. So richtig identifizieren kann ich mich mit keinem dieser Bezeichnungen. Vielleicht, weil ich mich einfach nicht in irgendeine Schublade packen lassen will. Ich bin ein lustiges Durcheinander und ich glaube für mich muss erst mal eine Bezeichnung gefunden werden.
    Liebe Grüße an Dich
    Sandra

  • Steffi sagt:

    Huhu,

    über den Begriff “Girlboss” habe ich mir nie Gedanken gemacht, aber finde deine Gedanken dazu absolut treffend und richtig. Ich finde es toll, wenn man beruflich einiges bewegt, aber seine mädchenhaften Züge dennoch nicht verliert.

    Lg
    Steffi

  • Petra:) sagt:

    Um ehrlich zu sein, habe ich über diesen Begriff noch gar nie nachgedacht. Ich stimme dir aber zu: Zum einen hat das Wort Girl etwas mädchenhaftes an sich. Ich finde aber, dass das Wort boss dies wieder ausgleicht.

  • Um ehrlich zu sein hatte ich den Begriff vor dem lesen deines Artikels noch nicht gehört. Allerdings war das auch nicht schlimm, denn ich teile deine Meinung und finde ich unsinnig.

    Liebe Grüße aus dem https://www.instagram.com/wellspaportal Katja

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