Haare waschen ohne Shampoo – Meine Erfahrungen mit No Poo

Als wäre es erst gestern gewesen. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich zum ersten Mal etwas von dem No Poo Trend gehört habe. Es war 2014 und in einer Zeitschrift wurde über die Olsen Zwillinge berichtet. Sie waschen ihre Haare nicht mehr mit Shampoo, dass war der Aufhänger des Artikels damals.

Eigentlich mag ich es nicht, vorschnell zu urteilen, muss aber gestehen, dass ich mich hin und wieder trotzdem dabei ertappe. Wie zum Beispiel damals, als ich diesen Artikel gelesen habe. „Was ist dass denn schon wieder für ein komischer Promi-Trend“ war mein erster Gedanke. Irgendwas wird von den Einen wieder total gehypt und von den Anderen als ekelhaft oder unhygienisch dargestellt. Ich gehörte weder zu der einen, noch zu der anderen Gruppe von Menschen, aber ich hielt das damals einfach für einen Trend, der schneller vorbei ist, als er eigentlich ins Rollen gekommen ist.

Falsch gedacht! In Amerika ist das mittlerweile ganz normal. Gwyneth Paltrow soll eine große Rolle in der No Poo Bewegung gespielt haben. Auch über Adele, Amanda Seyfried, Nicole Scherzinger, Brooke Shields und sogar Promi Männer, wie etwa Robert Pattinson, Prinz Harry und Brad Pitt sagt man, dass sie ihre Haare nicht mehr mit herkömmlichen Shampoos waschen.

Bei uns ist das Thema erst im letzten Jahr so richtig angelangt. Wer jetzt denkt, dass diese Methode nur „Ökos“ interessiert, der liegt aber falsch. Natürlich hat es mehrere Vorteile und Gründe, auf Shampoo zu verzichten. Das kann aus Umwelt-Gründen sein, oder einfach, weil man sich von der Industrie nicht mehr verarschen lassen möchte. Wenn du bei Codecheck.info mal die Shampoos durchklickst, wirst du nämlich ganz schön überrascht sein, was da alles an bedenklichen Inhaltsstoffen drin ist. Da wundert es mich nicht, wenn etliche Leute über Haarprobleme, Schuppen und Kopfhaut jucken berichten.

Heute möchte ich dir erzählen, warum ich damit angefangen habe, womit ich mir nun die Haare wasche und was sich seither geändert hat.
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Warum habe ich damit angefangen, meine Haare ohne Shampoo zu waschen?

Im Laufe der letzten Jahre durfte ich immer wieder verschiedene Shampoos testen. Die meisten waren ganz gut, aber irgendwie fühlte sich meine Kopfhaut trotzdem immer trocken an und direkt nach dem Haare waschen hat die Kopfhaut auch gejuckt. Bei manchen Shampoos mehr, bei manchen weniger. Da ich bei kosmetischen Produkten oft auf die Inhaltsstoffe schlecht reagiere, war das bei den Shampoos offensichtlich nicht anders.

Vor etwas mehr als einem Jahr hörte bzw. las ich von zwei Bloggerinnen, dass sie ihre Haare nicht mehr mit Shampoo waschen. Das waren Daria Daria und Jules Vogel. Beide haben sehr schöne und gepflegte Haare, aber irgendwie konnte ich mich nicht zu einem Selbstversuch durchringen. Ich hatte wohl ein bisschen die Befürchtung, dass es bei meinen Haaren vielleicht nicht so funktioniert und die dann eben nicht mehr schön aussehen.

Zu Beginn dieses Jahres ist dann folgendes passiert: Ich habe ein Shampoo meiner Lieblingsmarke gekauft. Darauf war ein Aufkleber „Neu“. Es muss also irgendetwas an der Rezeptur verändert worden sein, denn dieses Produkt habe ich schon so oft verwendet. Das Kopfjucken danach war unerträglich. Ich habe nochmal nach den Beiträgen gegoogelt und ganz neue Posts dazu gefunden. Einer war auf dem Blog Hello Pippa. Die Bloggerin Angie ist mir gerade wegen ihrer schönen Haare schon oft aufgefallen und auch im Gedächtnis geblieben. Das war dann der ausschlaggebende Grund, warum ich die Methode ausprobiert habe.

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Womit wasche ich mir nun die Haare?

Meine Haare wasche ich mit Roggenmehl und Wasser. Manchmal verwende ich Bier statt Wasser, nämlich dann, wenn ich für den nächsten Tag eine Hochsteckfrisur oder ein etwas aufwendigeres Hairstyling plane und das Bier als Haarfestiger dient. Hin und wieder kommt noch eine Apfelessig-Spülung hinzu, das bringt gleich noch mehr Glanz ins Haar.

Den Geruch von Essig bemerkt man nur während des Spülens, danach nicht mehr. Ich brauche keinen Haarspray, kein Haargel. Nichts dergleichen. Nur ein wenig Arganöl in die Spitzen und eventuell ein wenig von einem Kokosnuss Eau de Toilette. Dafür verwende ich ausschließlich hochwertige Produkte, die bedenkenlose Inhaltsstoffe haben.

Es gibt so viele Möglichkeiten, du kannst statt Roggenmehl auch Lavaerde, Heilerde oder Natron verwenden. Bei Haarausfall könnte eine Kaffee-Spülung helfen. Koffein-Shampoos sind ja schon länger dafür bekannt, dass sie das Haarwachstum stimulieren. Eine lauwarme Tasse Kaffee über das nasse Haar spülen, kurz einwirken lassen und dann ausspülen. Sorgt auch für mehr Glanz.

Für mich ist die einfachste Lösung die Haarwäsche mit Roggenmehl.

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Haare waschen mit Roggenmehl! So funktionierts:

3 EL Roggenmehl fein sieben. Das ist wirklich wichtig, weil die Klumpen sich sonst schwer ausspülen lassen und in den Haaren verkleben. Wenn die Haare trocken sind, kann das nach Schuppen aussehen. Das Roggenmehl mit 200 ml lauwarmen bis kühlem Wasser aufgießen, gut verrühren und für ein paar Minuten stehen lassen. Der Brei sollte leicht cremig und nicht zu dick sein.

Ich mache mir die Haare nass, arbeite den Brei ein und massiere den Kopf. Wie eine Maske lasse ich das für eine Minute einwirken und spüle dann mit kaltem Wasser gründlich aus.

Die Essig-Spülung bräuchte ich zwar nicht, mache sie aber trotzdem alle 3 Wochen. Dafür nehme ich 1 Liter wasser und einen kleinen Schuss Apfelessig. Diese Spülung verwende ich nach dem Waschen mit Roggenmehl. Abschließend spüle ich nochmal kurz mit Wasser aus.

Meine Haare wasche ich genauso oft wie vorher. Zwei bis Dreimal pro Woche. Ich neige nicht zu schnell fettendem Haar, jetzt noch weniger als zuvor. In der zweiten und dritten Woche waren die Haare etwas fettig, auch schon kurz nach dem Waschen, aber das kann ich mir vielleicht so erklären, dass die Kopfhaut sich erst darauf eingestellt hat, dass sie nun nicht mehr mit sehr bedenklichen Inhaltsstoffen „gepflegt“ wurde.

Ich habe eine Zeit lang Roggenmehl versucht und eine paar Mal mit Roggen-Vollkornmehl gewaschen. Mit dem gewöhnlichen Roggenmehl sehen die Haare super aus und fühlen sich richtig gut an. Mit dem Roggen-Vollkornmehl hatte ich eher das Gefühl, sie waren wie Stroh.

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Was hat sich seither verändert?

Ich benutze mittlerweile seit 4 Monaten kein Shampoo mehr. Schon seit der ersten Haarwäsche mit Roggenmehl, hatte ich keine juckende Kopfhaut mehr. Meine Haare sehen glänzend aus und vor allem gesund aus. Meine Spitzen sind nicht mehr spröde und mir sind noch Sachen aufgefallen, die ich mir zwar nicht erklären kann, aber die eben so sind.

  1. Meine Haare werden viel schneller trocken. Früher habe ich eine halbe Ewigkeit verbracht um die Haare trocken zu fönen. Jetzt dauert das nur noch ein paar Minuten.
  2. Meine Haarfarbe hat sich verändert. Ich bin 36 Jahre alt und hin und wieder hat sich schon ein graues Haar verborgen. Hiervon ist keines mehr zu finden und ich wurde schon ein paar Mal darauf angesprochen, ob ich meine Haare getönt habe, weil das Braun jetzt nicht mehr so matt und dunkel aussieht, sondern eher Kastanie und glänzend.

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Die Vor- und Nachteile vom Haarewaschen ohne Shampoo!

Natürlich ist es einfacher, wenn du einfach ins Bad gehst und zum Shampoo greifst, als wenn du dir vorher noch die Mischung ansetzt. Es ist auch nicht gerade angenehm im Winter den Kopf kalt abzuspülen. Empfindliche Leute sollten hier also aufpassen. Umständlich wird es mitunter erst beim Friseurbesuch, aber da gibt es die einfache Lösung, die Haare vorher Zuhause zu waschen und beim Friseur anschließend nur anfeuchten zu lassen. Auch auf das Färben mit scharfen Mitteln sollte verzichtet werden. Aber da gibt es andere Methoden, die ich in einem anderen Post aufzählen werde. Das sind auch schon alle Nachteile! Das oft gehörte Problem, mit dem vom Roggenmehl verstopften Abfluss, kann ich nach 4 Monaten nicht bestätigen. Wenn das Mehl wirklich fein gesiebt ist und danach mit stärkerem Strahl weggespült wird, dann sehe ich da keine Probleme für den Abfluss.

Die Vorteile sind ganz klar in der Überzahl: Glänzendes Haar, nicht juckende Kopfhaut, weniger Schuppen, schneller trocken, günstigere Pflegeprodukte, Zero Waste, also auch kein Plastik, besser für die Kopfhaut und die Umwelt.

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Das sind die Erfahrungen, die ich mit No Poo gemacht habe. No Poo ist die Abkürzung für No Shampoo und heißt lediglich, dass auf die Verwendung konventioneller Shampoos verzichtet wird.

 

4 Comments

  • Kerstin sagt:

    Hallo Tina,

    ich habe schon so oft darüber nachgedacht, ob ich es mal ausprobieren soll…
    Jedes mal bin ich an der Übergangsphase gescheitert.
    Durch Deinen Artikel fühle ich mich jetzt bestätigt es nochmal zu versuchen!

    Danke und LG
    Kerstin

    • Tina sagt:

      Hallo Kerstin, nach der Übergangsphase merkt man erst wie super der Unterschied ist. Wenn ich es allerdings mal eilig habe oder Urlaub mache, dann nehme ich Babyshampoo mit. Ein mildes mit unbedenklichen Inhaltsstoffen. Das reinigt auch gut, schont die Kopfhaut und danach kannst du wieder wie gewohnt mit dem Roggenmehl waschen ;) LG

  • Haare waschen mit fester Seife kenne ich aber ganz ohne Shampoo kannte ich noch nicht. Werde es aber mal testen.

    Liebe Grüße
    Melanie von https://www.lovingcarli.com

    • Tina sagt:

      Hallo Melanie,
      es dauert aber ein paar Wochen, bis sich die Haare daran gewöhnt haben.
      Ich nutze für die Spitzen ein bisschen Kokosöl, damit die Haare nicht nur frisch sondern auch richtig gut riechen ;)

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