Was das Wort #Girlboss für mich aussagt

Ich frage mich in letzter Zeit immer häufiger, ob #Girlboss tatsächlich der passende Hashtag für eine Geschäftsfrau sein soll. Schon klar, ohne Hashtags geht heutzutage nichts mehr. Ein Business will ja immerhin beworben werden und wo geht das besser, als in den sozialen Netzwerken. Obwohl es unter diesem Hashtag mehr als 3 Millionen Einträge auf Instagram gibt, kann ich mich mit diesem Begriff dennoch nicht anfreunden. Es gibt so einiges, was mir an diesem Begriff nicht gefällt, aber dazu später mehr.

Auf Instagram klickte ich mich vor einigen Wochen durch Sarah Michelle Gellars Bilder und siehe da, unter einem dieser Bilder schreibt sie:

„I keep hearing the term #girlboss Gender is not relevant to work ethic or success. Why can’t it be #justboss?“

Was viele nicht wissen – Sarah Michelle Gellar ist nicht nur Schauspielerin und Vampirjägerin ;), sondern mittlerweile auch Geschäftsfrau, die aus ihrer Liebe zum backen ein Business aufgebaut hat. Mit zwei Geschäftspartnerinnen hat sie die Firma Foodstirs gegründet.

Girlboss

Was mir an #Girlboss nicht gefällt?

Der Begriff soll ja sowas wie die coolere Version von Business Woman sein, sagt aber für mich gänzlich das Gegenteil aus. Girl klingt nach einem kleinen Mädchen – kindlich und unerfahren. Keinesfalls tough und seriös und verleiht dem Ganzen irgendwie etwas niedliches.

Aber warum soll Arbeit oder Selbstständigkeit niedlich klingen? Es ist ein hartes Business, bei dem ihr alles selbst im Blick haben und euch viel mehr kümmern müsst, als in jedem Angestelltenverhältnis. Hier müssen auch die Dinge gemacht werden, bei denen ihr euch nicht so toll auskennt oder die ihr überhaupt nicht machen wollt – Geld gibt es für die Erledigung dieser Dinge keines. Die Steuererklärung zum Beispiel. Vielleicht habt ihr das Geld und könnt euch einen teuren Steuerberater leisten, dann habt ihr aber auch genug dafür geackert. Oder ihr habt das Geld nicht, dann müsst ihr Zeit und Nerven (es geht um die Steuer ;)) investieren um euch selbst das nötige Wissen anzueignen. Wie auch immer, niedlich ist daran nichts!

Wir wollen in der Geschäftswelt immer ernst genommen werden und Gleichberechtigung. Anstatt uns aber über ein toughes und erfolgreiches Image zu freuen, setzen wir dem Ganzen den Begriff #Girlboss auf. Für mich hat der Begriff nichts von Frauenpower und Durchsetzungskraft. Beides braucht man aber, wenn man als selbstständige Geschäftsfrau erfolgreich sein möchte.

Ich behaupte hier nicht, dass Frauen, die den Hashtag Girlboss nutzen, unseriös sind oder nicht erfolgreich werden können. Der Hashtag entstand ja ursprunglüch durch erfolgreiche Business Frauen, die sehr wohl tough sind und sich durchsetzen können. Genauer gesagt hat Sophia Amoruso diesen Begriff zu einem absoluten Trendwort gemacht. In ihrem Buch #Girlboss stehen nützliche Tipps und es ist unglaublich wie sie ihr Business aus dem Nichts aufgebaut hat. Diese Tipps sind Gold wert, lediglich der Begriff ist mir dennoch ein Dorn im Auge!

Niemals würde ein Mann auf die Idee kommen seine Leistungen mit #boyboss zu verniedlichen. Und das hat jetzt gar keinen Emanzen Background, sondern lediglich den, dass wir als Selbstständige doch auch als solche wahrgenommen werden wollen. Professionell, seriös und tatkräftig!

Also falls ein Hashtag her muss, modern und auf den Punkt gebracht, warum dann nicht #Justboss?! Meines Erachtens klingt das wesentlich seriöser und trotzdem nicht spießig. Übersetzt heißt just – nur, einfach, genau, eben, halt. Das verleiht dem ganzen etwas Leichtigkeit ohne die Leistung hinunter zu spielen.

Bei meiner Recherche zu diesem Thema, bin ich auf sehr interessante Posts gestoßen. Fashion Queens Diary schreibt zB. Warum sie nicht als #Girlboss bezeichnet werden möchte. Das wir diesen Begriff nicht mögen, haben wir gemeinsam, der Grund dafür ist allerdings völlig gegensetzlich und gerade deshalb so  interessant. Wie ein Begriff auf völlig unterschiedliche Art betrachtet werden kann. Auch Sue Loves NYC stellt sich die Frage „Will ich wirklich ein #Girlboss sein?“.

Das ist meine Meinung zu diesem Thema. Wie ist eure?

No Comments

  • Lea sagt:

    Interessante Ideen! Ich bin auch immer hin und her gerissen bei diesem Begriff. Letztendlich zählt aber für mich das, was dahinter steht 🙂 Frauen sollen ebenfalls stark sein dürfen und das auch zeigen können! Wer sich also mit dem Hashtag wohlfühlt – bitteschön 🙂
    Viele Grüße
    Lea

  • Brini sagt:

    Auf jeden Fall eine interessante Meinung, so ganz konnte ich mich mit dem Begriff auch noch nicht anfreunden. Aber unabhängig vom Wording bewundere ich jede starke und toughe Frau und versuche auch immer mein Bestes täglich zu geben 🙂
    LG
    Brini

  • Anna sagt:

    Ich habe mir zu diesem Thema ehrlich gesagt noch gar keine Gedanken gemacht und #girlboss einfach so hingenommen. Aber irgendwie hast du recht, Girl klingt wirklich viel zu niedlich für die harte Arbeit, die dahinter steckt.

    Liebe Grüße, Anna
    von https://whereanna.com/

  • Jacky sagt:

    Ich habe das Buch Girlboss gelesen und für mich ist der Begriff stark mit dem Buch verbunden. Sofia Amarouso ist ja gerade so erfolgreich dadurch geworden, dass sie sich in einer „girly“ Branche mit viel Ehrgeiz ein Business aufgebaut hat. Sie hat sich ihre Leidenschaft für Mode gekonnt mit Geschäftssinn verbunden und ich finde da passt das Wort Girlboss gut dazu. Das sich andere nicht wohl mit dem Wort fühlen, kann ich aber durchaus auch nachvollziehen. Ich mag es ihn diesem Zusammenhang gerne.

  • Wow, in der Tat eine sehr unterschiedliche Definition des Wortes, aber auch deine Sichtweise finde ich richtig!! Lieben Dank auch fürs Verlinken 🙂

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