Jobhopper – faul, kompliziert und unsozial???

Sophia sitzt hinter der Kasse im Laden und isst gemütlich ein Sandwich. Dass eine Kundschaft auf Beratung wartet ist ihr völlig egal. Auch, dass es gar nicht ihr Sandwich ist in das sie so genüsslich beißt, sondern das der Chefin. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Sophia so eine Aktion erlaubt und auch nicht das erste Mal, dass sie ihren Job verliert.

Das ist eine der ersten Szenen aus der autobiografischen Serie Girlboss! Aber keine Sorge, ich möchte euch jetzt nicht erzählen, um was es in dieser Serie geht, sondern ein paar Gedanken und Geschichten mit euch teilen. Denn gleich als ich diese Szene sah, wurde mir klar, so ein Bild machen sich wohl die meisten Menschen, wenn sie den Begriff Jobhopper hören.

Jobhopper sind faul, kompliziert, unsozial und können weder mit Veränderungen und neuen Aufgaben, noch mit Regeln und Autoritäten umgehen“.

Das ist aber nichts weiter als Schubladendenken, denn genau das Gegenteil ist der Fall. Ich weiß wovon ich rede, denn mein Lebenslauf weist weit über 10 Firmen auf und ich war viele Jahre lang als Jobhopperin unterwegs. Nur, dass es damals noch keinen Begriff dafür gab. Mein Leben als Jobhopperin ist auch der Grund, warum ich diesen Beitrag heute schreibe.

Meinen Blog gibt es bereits seit Ende 2014, aber ich habe mich nie so wirklich vorgestellt. Da ich aber in Zukunft gerne ein paar Geschichten aus meiner Vergangenheit mit euch teilen möchte (wie zB. Mädchen du bist fett), muss ich euch erst von meinem Leben als Jobhopperin erzählen. Es gibt wirklich unglaubliche Geschichten von diversen Vorstellungsgesprächen und dem ein oder anderen Job, die euch im Laufe der Zeit auf meinem Blog begegnen werden.

Der Beitrag ist also eine Mischung aus Vorstellung für meine Leser, persönliche Story und dem ultimativen Tipp für Vorstellungsgespräche.


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Die Wahrheit über Jobhopper

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Es mag natürlich ein paar schwarze Schafe geben die ständig ihre Jobs verlieren, weil sie vielleicht faul, kompliziert und unsozial sind. Aber ich bin mir sicher, dass es nur ganz wenige sind. Jobhopper sind nämlich viel eher sehr sozial, ziemlich unkompliziert und lechzen nach neuen Aufgaben und einer Veränderung.

Mein erster Job war wirklich cool! Ich war Team-Assistentin in einem Erwachsenenbildungsinstitut und kein Tag war wie der Andere. Zu meinen Aufgaben zählten Kursmappen erstellen, telefonische Auskunft geben, Einkäufe und allgemeine Büroaufgaben erledigen, Flyer verteilen und das Buffet bei besonderen Workshops für Firmen zu beaufsichtigen. Es war mir völlig schnurz, ob ich einen Tag im Büro verbracht habe oder ein paar Brötchen serviert habe. Jeden Tag war etwas anderes zu tun und ich hatte noch dazu fünf direkte Vorgesetzte. Nach etwa einem Jahr übersiedelte die Firma an das andere Ende von Wien und einer nach dem Anderen verließ die Firma. Irgendwann gab es kein Team mehr für das ich hätte arbeiten können. Also suchte ich mir den nächsten Job.

Von einem auf den anderen Tag war ich keine Team-Assistentin mehr, sondern Sachbearbeiterin in einem Pharmakonzern. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute hat die gleiche Arbeit auf mich gewartet. Viele Menschen mögen das ja, wenn sie genau wissen was zu tun ist und was sie den Tag über erwartet, aber für mich ist das nach zwei Wochen, als hätte ich nie etwas anderes getan. Lediglich das Gehalt und meine extrem sympathische Kollegin ließen mich über drei Jahre durchhalten. Als der Arbeitsvertrag meiner Kollegin nicht mehr verlängert wurde, habe auch ich das Weite gesucht.
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Mein Start als Jobhopperin

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Irgendeine neue Aufgabe musste es sein. Ein Bürojob mit Außendienst. Zwei Tage in der Woche war ich im Büro und die restliche Zeit in den Filialen zur Inventur. Neue Orte, neue Menschen! Nach einem Monat wurde allerdings mitgeteilt, dass die Firma in Konkurs ist.

Next Stop – Telefonistin im Call Center! Für jeden Job muss man geeignet sein, ganz besonders für den als Telefonistin. Ich hätte gut und gerne über alles mögliche stundenlang Auskunft geben können, aber nicht am Telefon verkaufen. Wenn ich alte Menschen, die offensichtlich niemanden um sich hatten, um über ihre Vergangenheit oder ihre Wehwehchen zu reden, am Hörer hatte, hörte ich geduldig zu. Anschließend fühlte ich mich immer besser, weil ich das Gefühl hatte, dass sich der Mensch am anderen Ende des Hörers ebenfalls gut fühlte. Dann wurde mir aber klar, dass ich mit diesem Telefonat keinen Cent verdient habe. Dieser Job hat mir dennoch extrem viel gebracht, denn hier wurde mir klar was ich will. Was ich beruflich machen will! Womit ich die meiste Zeit des Tages verbringen will!

Ich hielt also aus, machte nebenbei zahlreiche Ausbildungen und fing dann an nebenbei als Kleinunternehmerin selbstständig zu arbeiten.

Danach konnte ich es mir erlauben, dass ich mich auf meine Selbstständigkeit konzentrierte und nur noch nebenbei Jobs machte. Dafür wechselte ich aber die komplette Branche, denn von den Bürojobs hatte ich die Nase voll.

Eine neue Herausforderung erwartete mich als Verkäuferin in einer Modekette. Damit mir nicht langweilig wurde, habe ich den Job gleich befristet als „Weihnachtsaushilfe“ für November bis Februar angenommen. An meinem vorletzten Tag ging ich raus aus dem Geschäft, schlenderte durch das Einkaufszentrum und sah den nächsten Aushang „Verkäuferin gesucht“. Ich stellte mich vor und wusste eine halbe Stunde später, dass ich den Job hatte. Wieder befristet! In diesem Shop wurde ich zwei Wochen eingeschult und war danach als Urlaubsvertretung der Chefin alleine im Geschäft. Hier endet zwar nicht mein Jobhopping, aber ich muss an dieser Stelle einmal kurz für den versprochenen ultimativen Tipp unterbrechen.
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Der ultimative Tipp – so bekommt ihr den Job

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Mich hat es nie interessiert, ob ich Wein ausschenke, Brötchen serviere, Kundengespräche führe, Jeans verkaufe oder Büroaufgaben erledige. Wir haben mehr Arbeitsstunden als Freizeit in der Woche, deshalb war mir immer wichtig, dass ich mich in meiner Arbeit wohl fühle und nicht unnötig viel Zeit mit dem Hin- und Heimfahren verbringe. Das waren eben meine Prioritäten.

Ich habe beinahe jeden Job bekommen, den ich wollte, manchmal sogar noch eine viel bessere Funktion. Einmal hatte ich mich für das Lager beworben, letztlich wollte mich die Chefin aber als Filialleiter Stellvertreterin. Ein anderes Mal habe ich mich als geringfügige Aushilfe in einem Solarium beworben wurde aber auch hier als Filialleiter Stellvertreterin eingestellt. Auch, dass mich jemand einstellt und nach einer kurzen Einschulungsphase alleine im Geschäft arbeiten und die Abrechnung machen lässt, hat mit diesem ultimativen Tipp zu tun.

Wir wissen ja meist, was wir nicht wollen. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir wissen was wir wollen. Und da ist er schon der ultimative Tipp – ihr müsst wissen was ihr wollt und beim Vorstellungsgespräch klar kommunizieren was das ist und warum ihr vielleicht schon so viele verschiedene Arbeitgeber hattet. Ihr könnt ganz deutlich hervorheben, dass ihr offen für neue Herausforderungen seid.

Wenn ihr nicht die Möglichkeit habt euch bei der Firma schon vor dem Vorstellungsgespräch persönlich zu melden, sondern erst mit dem Lebenslauf überzeugen sollt, dann kann ich nur dazu raten, dass ihr schöne Übergänge schafft. Firmen zweifeln ja gerne an Jobhoppern, erst recht wenn sie zuvor in einer anderen Branche tätig waren. Ihr müsst einfach wissen, wie ihr diese Zweifel beseitigen könnt. Werdet euch klar darüber, was ihr in den anderen Jobs gelernt habt und darüber, dass ihr diese Fähigkeiten dann in den anderen Job mitbringt. Das müssen jetzt nicht Computerprogramme oder NLP Fähigkeiten, sondern können auch Charaktereigenschaften sein.
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Was wollt ihr, was wollt ihr nicht?

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Ich wollte damals neue Herausforderungen und habe auch neben meiner Selbstständigkeit (mittlerweile über 10 Jahre) die unterschiedlichsten Jobs angenommen. Einmal hatte ich sogar drei Jobs. Da habe ich von Montag mit Mittwoch als Kellnerin gearbeitet, Montag und Dienstag danach die Abendschicht im Solarium gemacht und bin von Mittwoch Abend bis Freitag Abend meiner selbstständigen Tätigkeit im präventiven Gesundheitsbereich nachgegangen. Am Donnerstag hatte ich dazu noch Frühschicht und jeden zweiten Samstag den halben Tag im Solarium. Das ich diesen Job bekommen habe war für mich wirklich ein Wunder, denn ich war wohl mit Abstand die blasseste Solarium-Angestellte aller Zeiten. Der Job war nicht gerade das Gelbe vom Ei, aber es war mit Abstand der Job, der die meisten unterhaltsamen Momente geliefert hat.

All diese Jobs wollte ich auf einmal, da ich das Geld für eine teure Ausbildung haben wollte. Es hat mir nichts ausgemacht, dass ich neben der e schon zeitaufwändigen Ausbildung drei völlig unterschiedliche Jobs gemacht habe, da mich die Ausbildung weitergebracht hat und ich aufgrund dieser schließlich auch zu meinen ersten Schreibjobs gekommen bin.

Mittlerweile ist das Bloggen mein Job und das wird sich so schnell nicht ändern, da er all die Voraussetzungen erfüllt, die ein Job für mich haben muss. Es ist kein Tag wie der Andere. Ich mache die Buchhaltung, fahre zu Presse Events, schreibe Artikel, mache Foto Shootings und lerne immer weiter und weiter. Es gibt keinen Stillstand und keine Langeweile in diesem Job und endlich kann ich all die Geschichten, die ich in den anderen Jobs und Vorstellungsgesprächen erlebt habe loswerden und mit euch teilen.

Entscheidend für Firmen ist vielleicht auch, ob ihr immer gekündigt wurdet oder selbst gekündigt habt. Ich wurde das zwar noch nie in einem Vorstellungsgespräch gefragt, aber in meinem Fall war immer ich es die gekündigt hat. Zu den meisten meiner früheren Vorgesetzten und meiner Kollegen habe ich auch heute noch Kontakt.

Ihr wisst sicherlich,was ihr nicht wollt. Aber wisst ihr auch was ihr wollt? Welche Voraussetzung muss ein Job für euch haben, damit ihr damit glücklich seid? Habt ihr vielleicht sogar eine Geschichte auf Lager, wie ihr zu einem neuen Job gekommen seid oder warum ihr schon einmal gekündigt habt? Ich freue mich auf eure Kommentare!

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